Der Spiegel von Montag dem 10.10.2011 meldete:
Aus Nordrhein-Westfalen wurde mitgeteilt, das dortige Landeskriminalamt habe den vom CCC untersuchten Trojaner ebenfalls nicht eingesetzt. Das dortige Innenministerium prüft noch, ob eine oder mehrere Polizeidienststellen möglicherweise doch ein solches Programm im Einsatz hatten.
Am Dienstag war dann im WAZ Online Portal der Westen zu lesen:
Nach Angaben des Ministeriums wurden keine in NRW verbotenen Online-Durchsuchungen durchgeführt. NRW habe die Telekommunikations-Software eingesetzt, um Gespräche von Beschuldigten, die über das Internet („Skype“) telefonieren, bereits vor der Verschlüsselung zu erfassen. „Hierzu wird ein entsprechender Software-Tool auf den Computer des Beschuldigten aufgespielt“, ließ Innenminister Ralf Jäger (SPD) über einen Sprecher mitteilen. „Ein Zugriff auf sonstige Inhalte des Computers ist hierdurch nicht vorgesehen. Das unterscheidet unsere Software von dem vom Computer Chaos Club (CCC) kritisierten Staatstrojaner.“
Die innenpolitische Sprecherin der Linken hat deswegen am Dienstag folgende Anfrage formuliert:
1. Gibt es Erkenntnisse dazu, ob der genannte Trojaner auch in Nordrhein-Westfalen eingesetzt wurde bzw. wird?
2. Wenn ja: Durch wen?
3. Wenn ja: In wie vielen Fällen wurde der Trojaner angewendet?
4. Wird in Nordrhein-Westfalen eine vergleichbare Trojaner-Software zur Onlinedurchsuchung eingesetzt?
5. Wenn ja: Über welche Funktionen verfügt diese?
Über die Antwort darf man gespannt sein, denn am Montag eine Antivirensoftwarefirma folgende im FAQ zum Digitask R2D2-Trojaner verfasst:
Furthermore, the Trojan can take capture the contents of users‘ screens, download updates and communicate with a remote website.
Which website does the Trojan communicate with?
The Trojan appears to connect to an IP address, 83.236.140.90, which appears to be based in Düsseldorf or Neuss.
Where is the LKA Nordrhein-Westfalen based?
Düsseldorf.
Also es kann natürlich sein das irgendein anderes Bundesland einen Proxy in Düsseldorf stehen hatte und das deswegen der R2D2 sich mit einer Düsseldorfer IP-Adresse verbindet. Da die Bayern ja einen Proxyserver in der Staaten verwendet haben, waren stammt der Proxy vermutlich von den bösen Schwaben, die NRW was anhängen wollten …
Update:
Am Donnerstag hat Innenminister Ralf Jäger vor dem Innenausschuss des Landtages behauptet, dass Spähsoftware der Firma Digitask von der Polizei NRW zum Abhören von Skype eingesetzt worden sei, aber sie hätte nicht die erweiterte Funktionalität der vom CCC kritisierten Software.
2009 und 2010 hatte die Polizei laut Innenministerium bei der Strafverfolgung in zwei Fällen von Rauschgiftkriminalität mit richterlicher Anordnung Trojaner eingesetzt. Der Hersteller habe vor der Auslieferung des Produkts aber zugesichert, dass mit dem Programm keine Online-Durchsuchung möglich sei, hieß es.
…
Pro Spähaktion der Quellen-TKÜ fallen laut Innenministerium Leasing-Kosten von rund 19.000 Euro für die Spezialsoftware an. Hersteller ist die hessische Software-Firma DigiTask, die auch den umstrittenen Staatstrojaner nach Bayern geliefert hatte.
Und die Erde ist eine Scheibe. Also der CCC hat bei der Untersuchung von drei verschiedenen Trojanern festgestellt, dass sie alle den gleicheen AES Schlüssel für die Verschlüsselung benutzen. Desweiteren haben sie festgestellt, dass die Trojaner nicht besonders getarnt waren, bis auf die Erweiterung für die Onlinedurchsuchung (da wird der Aufruf nämlich erst durch Stringvariabeln zusammengesetzt.)
Einer der untersuchten Trojaner verbindet sich mit einem Proxy in den USA und ein anderen mit einem Proxy in Düsseldorf. Nein und NRW hat nicht den kritisierten Trojaner verwendet.
Aber es kommt noch schlimmer. Denn ein Amtsgericht hat laut der Westen am 12.10.2011 eine erneuten Trojaner zum Skype-Abhören genehmigt.
Nach einem Bericht des Ministeriums hat ein NRW-Amtsgericht am 12. Oktober die Durchführung einer Quellen-TKÜ in einem Ermittlungsverfahren angeordnet, in dem von einer NRW-Kreispolizeibehörde ermittelt wird.
Das ganze mit dem Skype-Abhören ist schwachsinn, denn Skype sitzt in Luxenburg und es ist daher keinen Problem dort einen Antrag auf Abhören hinzuschicken. Ich würde gerne wissen, welcher Richter das war um ihn anzuzeigen.
update
Die Piraten NRW bezweifeln in ihrer Pressemitteilung vom 17.10.2011 aus berechtigten Gründen die Aussagen von Innenminister Ralf Jäger zum Staatstrojaner bzw zur Quellen TKÜ:
Auch die Zahl der durchgeführten Quellen-TKÜs bleibt weiterhin ein Rätsel. Landesinnenminister Jäger bezifferte die in NRW durchgeführten Aktionen auf insgesamt vier in den Jahren 2007 bis 2011. Polizeisprecher Jacobs schränkte aber gleichzeitig ein, dass er keine Informationen zu weiteren Überwachungen innerhalb NRWs habe, die von anderen (Bundes-)Behörden veranlasst worden seien. Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass die Überwachungssoftware bundesweit in mehr als einhundert Fällen eingesetzt wurde
…
Stellt man nun alle, teils sehr widersprüchlichen Aussagen der einzelnen Regierungsvertreter aus den vergangenen sieben Tagen gegenüber“, bemerkt Kai Schmalenbach, 2. Vorsitzender des Landesverbands NRW der Piraten, „dann kann man eigentlich nur folgende Schlüsse daraus ziehen: die zuständigen Minister bzw. Ministerien haben entweder die ihnen untergeordneten Behörden nicht im Griff oder aber die Bürger Deutschlands werden seit einer Woche systematisch über das Ausmaß dieses Skandals getäuscht, die Medien mit Nebelkerzen beworfen.“
Die Minister haben ihre Behörden nicht im Griff, zumindestens in NRW weiß ich das. Obwohl Wolf zumindestens versucht hat die Behörden zu kontrollieren, was man von Jäger nicht sagen kann.
Ergänzung
Detaillierte Hintergründe über den Staatstrojaner und das Reverse Engineering (d.h. die Analyse des disassemblierten Binärcodes) sind in der Alternativlos Sondersetzung von Frank und fefe mit Constanze Kurz als Gast nachzuhören. Interssant ist auch der Bericht von Constanze Kurz über die Verhandlungen vorm Bundesverfassungsgericht über die Online-Durchsuchung. Nach Aussage von Constanze Kurz wurde Befragung des Leiters des Bundesamtes für Verfassungsschutz durch ein kleines Männchen aus der zweiten Reihe abgebrochen, weil der Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz für weitere Aussagen keine Genehmigung hätte. Der Leiter, d.h. Heinz Fromm und nicht irgendein Beamter.